V ohne V (1) - Verdichten ohne Versiegeln: Verfahrensinnovation zur nachhaltigen Entwicklung von Einfamilienhaussiedlungen im Bestand

Interdisziplinäre Entwicklung und Prüfung einer Verfahrensinnovation zur umfassenden Nachverdichtung von Einfamilienhaussiedlungen ohne zusätzliche Flächenversiegelung, durch gezielte vertikale Erweiterungen auf bestehendem Gebäudefußabdruck. Das Ergebnis dient als praxisnahe Entscheidungsgrundlage zur Vorbereitung eines Demonstrationsprojekts für klimaresiliente Stadtentwicklung.

Kurzbeschreibung

Ausgangssituation/Motivation

Angesichts der Zielsetzung der Klimaneutralität bis 2040 steht die Stadtentwicklung vor einem grundlegenden Paradigmenwechsel. Die Nachverdichtung bestehender Siedlungsräume wird dabei zur Schlüsselstrategie für eine klimagerechte Stadtentwicklung.

Insbesondere Einfamilienhaussiedlungen in Stadtrandlagen, die durch geringe Ausnutzungsdichte und hohen Flächenverbrauch und gleichzeitiger bestehender guter Infrastrukturanbindung gekennzeichnet sind, bieten ein enormes, bislang kaum genutztes Potenzial.

Inhalte und Zielsetzungen

Das Forschungsprojekt „Verdichten ohne Versiegeln (1)" knüpft genau hier an. Es untersucht eine innovative, skalierbare und grundstücksverträgliche Vorgehensweise zur signifikanten Nachverdichtung von Einfamilien­haus­quartieren – um etwa das Vierfache – ohne zusätzliche Flächenversiegelung.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Ansätzen, die entweder auf vollständigen Abriss und CO₂-intensiven horizontalen Neubau oder auf geringfügige An- und Umbauten mit begrenztem Dichtezuwachs setzen, verfolgt das Projekt einen integrierten Ansatz. Durch gezielte vertikale Erweiterungen auf dem bestehenden Gebäudefußabdruck lässt sich die Nutzfläche erheblich steigern, ohne neue Flächen zu versiegeln.

Methodische Vorgehensweise

Der Aufbau auf bestehenden Kellergeschossen spart graue Energie, ermöglicht die weitere Nutzung der vorhandenen Infrastruktur und vermeidet den Aushub neuer Baugruben. Zusätzlich werden nicht mehr tragfähige Bauteile im Sinne zirkulärer Wertschöpfung auf ihre Wiederverwendbarkeit geprüft und ressourcenschonend in die Aufstockung integriert.

Auf Quartiersebene ermöglicht dieser Ansatz – im Gegensatz zur etablierten horizontalen Nachverdichtung – den Erhalt des meist lang gewachsenen Grünbestands, wodurch unter anderem das charakteristische Siedlungsbild freistehender Häuser im Grünen bewahrt werden kann. Aber vor allem auf städtischer Ebene ist der Erhalt der privaten Grünflächen in diesen Quartieren sowie die Vermeidung von Neuversiegelungen ein zentraler Faktor für das Mikroklima.

Das Sondierungsprojekt untersucht diesen Ansatz interdisziplinär, wobei neben der architektonischen und ökonomischen Machbarkeit insbesondere die Quartiersebene im Fokus steht.

Erwartete Ergebnisse

Im Einklang mit den Zielen des New European Bauhaus in den Bereichen Nachhaltigkeit, Ästhetik und Inklusion werden bestehende baurechtliche Einschränkungen für höhere, kompakte Baustrukturen in Einfamilien­haus­gebieten kritisch hinterfragt und die Akzeptanz neuer Quartiersbilder mit ortsfremden Wohn- und Nutzungsformen im Rahmen eines Partizipations­verfahrens ermittelt.

Letztlich bildet dies die Entscheidungsgrundlage für ein Demonstrationsprojekt, das einen substantiellen Beitrag zu einer flächeneffizienten, ressourcenschonenden und klimaresilienten Stadtentwicklung leisten kann. Der Ansatz besitzt ein hohes Skalierungspotenzial und richtet sich an Städte, Gemeinden, Bauträger und Planende, die zukunftsweisende Lösungen für die Transformation bestehender Siedlungsräume suchen.

Projektbeteiligte

Projektleitung

Institut für Entwerfen im Bestand und Denkmalpflege, TU Graz

Projekt- bzw. Kooperationspartner:innen

  • Institut für Tragwerksentwurf, TU Graz
  • Arbeitsgruppe Nachhaltiges Bauen, TU Graz
  • Sonja Gruber, Soziologie & Sozialanthropologie

Kontaktadresse

Dr. Svenja Hollstein
Institut für Entwerfen im Bestand und Denkmalpflege
Lessingstraße 27
A-8010 Graz
Tel.: +43 (0316) 873 6271
E-Mai: office.enbede@tugraz.at