NEBKritQ - New European Bauhaus Qualitätskriterien für nachhaltige Quartiersentwicklung
Kurzbeschreibung
Motivation
Im Rahmen des Projekts wurden Kriterien und Prozessvorschläge für die Bewertung von Quartieren entwickelt, um eine ganzheitliche, auf umfassenden Qualitätsvorstellungen beruhende Bewertung von Quartiersentwicklungsprojekten zu ermöglichen. Dabei wird auf bestehende Bewertungssysteme Bezug genommen und Kompatibilität hergestellt. Neben den Nachhaltigkeitskriterien wurden auch die anderen Dimensionen des Neuen Europäischen Bauhauses (NEB), Ästhetik und soziale Inklusion, sowie die spezielle Bedeutung der Prozessqualität berücksichtigt.
Ausgangssituation
Im beschriebenen Sinn ist die Mission klimaneutrale Stadt notwendigerweise nicht nur mit Nachhaltigkeit, sondern auch mit Ästhetik und sozialer Inklusion verknüpft. Heutige Bewertungssysteme für Gebäude und Quartiere konzentrieren sich auf ökologische Nachhaltigkeit. Deshalb wurden im Projekt zunächst bestehende Bewertungsmodelle für Quartiere untersucht. Aufbauend auf dem Vorgängerprojekt NEBKrit – Qualitätskriterien für Gebäude und Quartiere auf Basis des New European Bauhaus und den dort untersuchten Bewertungsmodellen für Gebäude wurden mögliche Kriterien und Bewertungsprozesse analysiert und verglichen.
Inhalte und Zielsetzungen
Die Innovation des Projekts liegt in der Verbindung dieser drei Bereiche (Nachhaltigkeit, Ästhetik, soziale Inklusion) als Weiterentwicklung und Verknüpfung etablierter Modelle und in der Berücksichtigung sowohl der Kriterien samt Bewertungsmethodik selbst (mit Fokus auf das Zusammenspiel der Einzelaspekte) als auch in Prozessvorschlägen für den Einsatz nicht nur bei der Bewertung, sondern auch in der Projektentwicklung und Antragstellung.
Methodische Vorgehensweise
Auf Basis der Analyse bestehender Bewertungsmodelle im Bereich Quartiersentwicklung und den Resultaten des Vorgängerprojekts NEBKrit, vor allem hinsichtlich der Analyse von Gebäudebewertungssystemen, wurden potenziell übertragbare Kriterien und Prozessvorschläge erhoben. In zwei interdisziplinären Stakeholder-Workshops wurden weitere Vorschläge gesammelt sowie alle Modelle diskutiert und kritisiert, um ausgehend davon einen ersten Entwurf für ein neues Bewertungsmodell zu entwickeln. Dieses Bewertungsmodell wurde in zwei Testfällen angewandt, auf Basis des Tests evaluiert, adaptiert und vor der Finalisierung in einem abschließenden Workshop zur Diskussion gestellt.
Ergebnisse
Es wurde ein Kriterienset ausgearbeitet, das auf die Dimensionen und die Arbeitsprinzipien des NEB sowie auf den Ergebnissen der NEBKrit-Studie aufbaut; sowie ein Prozessvorschlag für die Entwicklung und Bewertung, der beispielhaft zeigt, wie die Kriterien einfließen können. Das Kriterienmodell umfasst 19 Kategorien mit insgesamt 61 Kriterien für insgesamt fünf Dimensionen.
Bewertungsprozess
Der Bewertungsprozess gliedert sich in zwei Abschnitte: Precheck und Hauptcheck. Der Precheck erfolgt zu Beginn der Projektentwicklung, wenn noch keine Planungen vorliegen. Hier werden über einen einfachen Multiple- und Single-Choice-Fragebogen die Grundlagen des geplanten Projekts erhoben und Fördermittel für die Konzeptentwicklung vergeben. Der Hauptcheck ist für Projektphasen nach der Phase 0 vorgesehen, wenn bereits mehr Entwicklungs- und Planungs-entscheidungen getroffen wurden. Entsprechend der höheren Komplexität in diesen Phasen der Quartiersentwicklung muss ein umfangreicherer Fragebogen ausgefüllt werden, und es werden meist höhere Fördermittel vergeben. Beide Abschnitte folgen einer zweistufigen Bewertung: zunächst eine Beratung und Vorbewertung, anschließend eine Jurierung durch ein interdisziplinäres Gremium.
Schlussfolgerungen
Das vorliegende Projekt zeigt, dass die Kombination der Kriterien für Prozessqualität, ökologische Nachhaltigkeit, Ästhetik und soziale Inklusion in Verbindung mit einer qualitativen Perspektive zu einer umfassenderen Bewertung von Quartiersentwicklungsprojekten führt, als dies durch sektorale und quantitative Bewertungsmodelle möglich ist. Dabei ist insbesondere der Fokus auf die Prozessqualität zentral. Viele Quartiersentwicklungsprojekte adressieren ökologische, gestalterische und soziale Problematiken durch innovative Ansätze, die durch zu stark limitierte Bewertungsmodelle nicht angemessen erfasst werden können. Eine fundierte Bewertung derartiger Projekte sollte daher stets eine breite, multidimensionale Perspektive einnehmen. Das Bewertungsmodell orientiert sich an den Dimensionen und Arbeitsprinzipien des NEB. Im Unterschied zu sehr spezifischen Ansätzen wurde eine offenere methodische Vorgangsweise gewählt, um eine adäquate Würdigung diverser und insbesondere innovativer Zugänge zu ermöglichen. Die Entwicklung des Kriterienmodells zeigte, dass für die Bewertung der ästhetischen Kriterien und der meisten Kriterien der sozialen Inklusion eine qualitative Vorgangsweise erforderlich ist. Rein quantitative Methoden erweisen sich als ungeeignet, diese Dimensionen adäquat abzubilden.
Ausblick
Im vorliegenden Projekt war ein wichtiges Ziel die Integration von Fördermittelvergabe und Beratung für Projekte der Quartiersentwicklung. Diese Verknüpfung kann die Qualität der geförderten Projekte massiv steigern und gleichzeitig zur Weiterentwicklung der Förderinstrumente beitragen. Auf europäischer und internationaler Ebene sollte eine umfassendere Untersuchung über bestehende Bewertungsmodelle unternommen werden. Parallel dazu ist eine systematische Zusammenführung sämtlicher Aktivitäten zur Qualifizierung für das NEB erforderlich, um Synergien zu identifizieren und methodische Redundanzen zu vermeiden.
Publikationen
New European Bauhaus Qualitätskriterien für nachhaltige Quartiersentwicklung (NEBKritQ)
Ziel des Projekts NEBKritQ ist die Entwicklung von Qualitätskriterien und Prozessvorschlägen für nachhaltige Quartiersentwicklung auf Basis der Dimensionen des New European Bauhaus (ökologische Nachhaltigkeit, Ästhetik, soziale Inklusion), die für die Bewertung und für die Projektentwicklung und Antragstellung von Quartiersentwicklungsprojekten verwendet werden können.
Schriftenreihe
15/2026
Barbara Feller, Rupert Halbartschlager, Caren Ohrhallinger, Robert Temel, Renate Hammer
Herausgeber: BMIMI
Deutsch, 54 Seiten
Downloads zur Publikation
Projektbeteiligte
Projektleitung
Plattform Baukulturpolitik
Projekt- bzw. Kooperationspartner:innen
IBR & I Institute of Building Research & Innovation ZT GmbH
Kontaktadresse
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Robert Temel
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