LeiSan - Leitprojekt Sanierung des Wohnquartiers Komposch-Ebene Bad Eisenkappel in Kärnten

Sondierung für ein Bestandsquartier in Bad Eisenkappel mit dem Ziel der Bestandssanierung unter Einbindung der Bewohner:innen, des Freiraums, der Mobilität und Erzeugung erneuerbarer Energien vor Ort. Das Ergebnis soll die wirtschaftliche Machbarkeit eines ganzheitlichen Konzepts für das Quartier nachweisen und als Grundlage für ein Demonstrationsprojekt dienen.

Kurzbeschreibung

Das Leitprojekt LeiSan widmet sich der klimaneutralen Sanierung des Wohnquartiers Komposch-Ebene in der Marktgemeinde Eisenkappel-Vellach in Kärnten. Ziel des Projekts war es, exemplarisch aufzuzeigen, wie eine sozial verträgliche, technisch machbare und ökologisch wirksame Transformation von Bestandsquartieren auch in kleineren Gemeinden gelingen kann. Die zentrale Forschungsfrage lautete: Wie lassen sich energetische Sanierung, soziale Inklusion und nachhaltige Quartiersentwicklung unter eingeschränkten finanziellen Rahmenbedingungen miteinander verbinden?

Die Ausgangssituation war geprägt durch eine typische ländlich-touristische Struktur mit hoher Lebensqualität, aber stagnierender Bevölkerungsentwicklung. Das betrachtete Quartier umfasst sechs mehrgeschossige Wohngebäude aus den 1960er bis 1980er Jahren, von denen drei bereits teilmodernisiert wurden, während die übrigen drei einen hohen Sanierungsbedarf aufweisen. Die Gemeinde Eisenkappel-Vellach engagiert sich seit Jahren im Rahmen des e5-Programms für Energieeffizienz und Klimaschutz und strebt eine Vorreiterrolle in der nachhaltigen Entwicklung an.

Im Projekt wurden umfassende Grundlagen für die klimaneutrale Sanierung erarbeitet. Dazu gehörten eine detaillierte Bestandsanalyse der baulichen, energetischen und sozialen Ausgangslage, die aktive Einbindung der Bewohner:innen sowie die Entwicklung eines modularen Sanierungskonzepts. Besondere Aufmerksamkeit galt der sozialen Verträglichkeit der Maßnahmen, da die Gebäude weiterhin bewohnt sind und die Mieter:innenstruktur sozial heterogen ist. Die Planung erfolgte in enger Abstimmung mit der Gemeinde, den Architekturbüros und den Bewohner:innen.

Für das stark sanierungsbedürftige Gebäude Nr. 331 wurde eine thermisch-barrierefreie Sanierung als bevorzugte Variante identifiziert. Diese umfasst unter anderem die Dämmung der Gebäudehülle, den Austausch der Fenster, die Nachrüstung eines Aufzugs sowie die Verbesserung der Gemeinschaftsflächen. Für die Gebäude 317 und 318 wurden drei abgestufte Maßnahmenpakete entwickelt. Die Kombination aus Paket A (Barrierefreiheit und technische Grundsanierung) und Paket B (energetische Sanierung und Wohnqualitätsverbesserung) wurde als optimal bewertet. Eine bauliche Erweiterung durch Dachgeschossausbau (Paket C) wurde aus wirtschaftlichen Gründen verworfen.

Ein zentrales Element des Projekts war die Entwicklung eines Energiekonzepts, das auf die Nutzung lokal verfügbarer erneuerbarer Energiequellen setzt. Die Integration von Photovoltaikanlagen auf Dächern und Fassaden, die Einbindung in Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften sowie die Sektorkopplung mit Mobilitätsinfrastruktur wurden untersucht. Die PV-Ertragsprognose ergab ein jährliches Potenzial von rund 85.700 kWh, das auch für das benachbarte Freibad und E-Mobilität genutzt werden kann.

Darüber hinaus wurde ein umfassendes Konzept für den Grün- und Sozialraum sowie die Mobilität entwickelt. Maßnahmen zur Hitzevorsorge, Biodiversitätsförderung, Urban Gardening und Verkehrsberuhigung sollen die Aufenthaltsqualität erhöhen und den sozialen Zusammenhalt stärken. Die partizipative Planung mit den Bewohner:innen führte zu konkreten Umsetzungen wie einem Obstgarten, neuen Treffpunkten und einem „Mitfahrbankerl" als niederschwellige Mobilitätslösung.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine modulare und phasenweise Umsetzung besonders geeignet ist, um technische, soziale und wirtschaftliche Anforderungen flexibel zu erfüllen. Die frühzeitige Einbindung der Wohnbauförderung und der Bewohner:innen erwies sich als entscheidend für die Akzeptanz und Förderfähigkeit der Maßnahmen. Die Anwendung der Prinzipien des New European Bauhaus – Nachhaltigkeit, Ästhetik und soziale Inklusion – wurde erfolgreich in die Architektur und Quartiersentwicklung integriert.

Im Ausblick wird deutlich, dass die Sanierung von Gebäude 331 bereits in der Einreichphase ist, während für Gebäude 317 und 318 Maßnahmen zur Barrierefreiheit und energetischen Ertüchtigung vorbereitet werden. Die Gemeinde strebt eine sozial verträgliche Mietanpassung an, die gemeinsam mit den Bewohner:innen entwickelt wird. Die Projektergebnisse sollen über Netzwerke wie RENOWAVE.AT verbreitet und als Modell für andere ländliche Regionen genutzt werden.

Das Projekt LeiSan zeigt eindrucksvoll, wie auch unter herausfordernden Rahmenbedingungen ein zukunftsweisender Weg für den sozialen Wohnbau eingeschlagen werden kann – mit hoher Relevanz für die österreichische Wohnbaupolitik und die europäische Klimastrategie.

Publikationen

Leitprojekt Sanierung des Wohnquartiers Komposch-Ebene Bad Eisenkappel in Kärnten (LeiSan)

Sondierung für ein Bestandsquartier in Bad Eisenkappel mit dem Ziel der Bestandssanierung unter Einbindung der Bewohner:innen, des Freiraums, der Mobilität und Erzeugung erneuerbarer Energien vor Ort. Das Ergebnis soll die wirtschaftliche Machbarkeit eines ganzheitlichen Konzepts für das Quartier nachweisen und als Grundlage für ein Demonstrationsprojekt dienen. Schriftenreihe 34/2026
C. Böckl, J. Leibold, F. Zankel, J. Dvorak, C. Sacher, J. Wirnsberger, C. Sadolschek, E. Lobnik
Herausgeber: BMIMI
Deutsch, 49 Seiten

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Projektbeteiligte

Projektleitung

Marktgemeinde Eisenkappel-Vellach

Projekt- bzw. Kooperationspartner:innen

  • Hohengasser Wirnsberger Architekten ZT-GmbH
  • Joyjoy studio ZT-GmbH
  • Renowave.at eG

Kontaktadresse

Marktgemeinde Eisenkappel Vellach
Christian Sadolschek
Bad Eisenkappel 260
A-9135 Bad Eisenkappel
Tel.: +43 (4238) 83 11 20
E-Mail: christian.sadolschek@ktn.gde.at
Web: www.bad-eisenkappel.info