Decarb Alt Erlaa - Transformation des Wohnparks Alt Erlaa zu einem klimaneutralen Quartier

Im Forschungsprojekt „Decarb Alt Erlaa“ wurde aufgezeigt, wie die größte Wohnanlage Österreichs zu einem klimaneutralen Quartier weiterentwickelt werden kann. Potenzialanalysen zu bautechnischen und gebäudetechnischen Maßnahmen, soziale Begleitung, CO₂-Bindungstechnologien und Risikoanalysen bestätigen die technische Umsetzbarkeit und soziale Verträglichkeit. Das Demonstrationsprojekt „JUNG Erlaa“ eröffnet nun die Chance, die erarbeiteten Konzepte konkret umzusetzen.

Kurzbeschreibung

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Decarb Alt Erlaa" wurde die Möglichkeit einer umfassenden Transformation des Wohnparks Alt Erlaa in ein klimaneutrales Quartier untersucht. Der Wohnpark ist die größte Wohnanlage Österreichs und ein überregional beachtetes Leitprojekt des sozialen Wohnbaus. Mithilfe systematischer Potenzialanalysen in den Bereichen bautechnische und gebäudetechnische Maßnahmen sowie mit sozialwissenschaftlicher Begleitung sollte herausgefunden werden, wie eine klimaneutrale Zukunft für diese Großwohnanlage gestaltet werden kann. Ergänzend wurde geprüft, inwieweit innovative Technologien zur Bindung von Kohlenstoff im laufenden Betrieb eingesetzt werden können, und wurde eine Risikoanalyse durchgeführt, um das auf diese Sondierung folgende Umsetzungsprojekt abzusichern. Die zentrale Forschungsfrage lautete: „Welche Kombination aus technischen, organisatorischen und sozialen Maßnahmen ist geeignet, den Wohnpark bis 2040 klimaneutral zu machen und gleichzeitig die hohe Lebensqualität und Zufriedenheit der Bewohnerschaft zu verbessern oder zumindest zu erhalten?"

Der Wohnpark Alt Erlaa umfasst rund 3.200 Wohnungen auf einer Bruttogrundfläche von 350.000 Quadratmetern. Die aus den späten 1970er und frühen 1980er Jahren stammende Bausubstanz weist einen für heutige Standards hohen Energiebedarf auf und verfügt über ein hohes Transformationspotenzial. Gegenstand der aktuellen Planungen sind eine partielle thermische Sanierung sowie die Dekarbonisierung des Heizsystems. Die Sondierung einer Transformation zum klimaneutralen Quartier erweitert und vertieft die bisherigen Planungsvorarbeiten und deren Ziele.

Die Sondierung verfolgte das Ziel, einen gut abgesicherten Maßnahmenkatalog für eine Transformation vorzubereiten. Dazu gehörten: (1) Detaillierte Potenzialanalysen zu bautechnischen und gebäudetechnischen Maßnahmen, (2) eine sozialwissenschaftliche Begleitung zur Einbindung der Bewohnenden in den Transformationsprozess, (3) eine Abschätzung des Potentials und möglicher Einbindung innovativer Technologien zur Kohlenstoffbindung im Wohnpark und (4) die Durchführung einer Risikoanalyse zu technischen, organisatorischen, finanziellen und rechtlichen Aspekten.

Die methodische Herangehensweise unterschied sich je nach Arbeitspaket und inhaltlichem Schwerpunkt:

  • Im Bereich der bautechnischen Maßnahmen kamen Berechnungen und Simulationen zum Einsatz, um die Effekte verschiedener Einzelmaßnahmen und Maßnahmenpakete der thermischen Sanierung zu quantifizieren.
  • Die vorgeschlagenen gebäudetechnischen Maßnahmen wurden quantitativ über Berechnungen und qualitativ über nominale Einstufungen bewertet. Die Berechnungen wurden mit Messungen validiert. Auch wurde der Winter 2024/25 bereits für experimentelle Veränderungen der technischen Betriebsparameter der Wärmeversorgung genutzt.
  • Parallel zu den technischen Bewertungen wurden in der sozialwissenschaftlichen Begleitung Befragungen, Fokusgruppen und Beteiligungsformate durchgeführt, um Akzeptanz, Informationsbedarf und Mitwirkungsbereitschaft zu ermitteln.
  • Die Machbarkeitsstudie innovativer Verfahren zur Bindung von Kohlendioxid im Betrieb basierte auf einer Kombination aus Literaturrecherche, Pilotprojektdaten und Herstellerangaben. Für jede Technologie wurden Funktionsweise, technische Rahmenbedingungen, ökologische Wirkungen, räumliche Anforderungen und Kosten bewertet. Ergänzend wurden rechtliche Aspekte, Skalierbarkeit auf Quartiersebene sowie soziale Akzeptanz berücksichtigt.
  • Die Risikoanalyse wurde mit einer „Failure Mode and Effects Analyse" (FMEA) durchgeführt, um mögliche Schwachstellen systematisch zu identifizieren und bewerten. Auf Basis aktueller Planungsunterlagen wurden Fehlerarten, Ursachen und Auswirkungen erfasst und mittels Risikoprioritätszahl quantifiziert. Die Analyse erfolgte in interdisziplinären Workshops, an denen Vertreter aus den Bereichen Forschung, Planung, Sozialwissenschaft und Eigentümerschaft beteiligt waren.

Aufbauend auf den Ergebnissen der vorangegangenen Arbeitspakete wurden abschließend abgestimmte Maßnahmenpakete zur Sanierung und Dekarbonisierung des Wohnparks entwickelt. Diese sind Grundsteine des nachfolgenden Umsetzungsprojektes.

Das Projekt „Decarb Alt Erlaa" hat gezeigt, dass Dekarbonisierung und Sanierung des Wohnparks technisch möglich und sozial verträglich umsetzbar sind. In der bautechnischen Analyse konnte nachgewiesen werden, dass auch diese prägnante Wohnanlage aus den 1970er- und 1980er-Jahren mit ihren komplexen Strukturen, mit ihrer architektonischen im bewohnten Zustand durch gezielte Maßnahmenpakete ihren Heizwärmebedarf deutlich senken und sogar den klimaaktiv-Standard erreichen können. Die gebäudetechnische Potenzialanalyse bestätigte die Verfügbarkeit und Nutzbarkeit lokaler Wärmequellen und zeigte, dass eine vollständig fossilfreie Wärmeversorgung möglich ist. Die sozialwissenschaftliche Begleitung hat verdeutlicht, dass Akzeptanz, Transparenz und Mitgestaltung der Bewohnerschaft für den Projekterfolg entscheidend sind. Ebenfalls von maßgebender Bedeutung war die Risikoanalyse, die die Aspekte technische Machbarkeit, Finanzierung, rechtliche Rahmenbedingungen und soziale Faktoren durchleuchtet hat und damit zur Optimierung und Absicherung der Maßnahmenpakete beigetragen hat. Für die Transformation zu einem vollständig klimaneutralen Quartier wären auch CO2-Senken vor Port erforderlich. Unter allen untersuchten Technologien weist die Pyrolyse von Gartenabfällen oder von zugeführter Biomasse erhebliche und realistische Potenziale auf, Die beiden anderen untersuchten Technologien weisen derzeit noch erhebliche Hürden auf.

Im bereits genehmigten Demonstrationsprojekt JUNG Erlaa werden die im Rahmen dieser Sondierung erarbeiteten Konzepte konkret umgesetzt. Dies umfasst die empfohlene thermische Sanierung sowie die Umstellung des Heizungssystems auf Wärmepumpen mit Nutzung lokaler Wärmequellen durch Tiefensonden und Abwasserwärmerückgewinnung. Weiters ist die Pilotierung einer Pyrolyseanlage für Gartenabfälle geplant. Parallel dazu werden die im Projekt entwickelten Beteiligungs- und Kommunikationsformate fortgeführt, um eine hohe Transparenz und Akzeptanz während der Umsetzung sicherzustellen. Ebenso weitergeführt wird die kontinuierliche Risikobewertung. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sind nicht nur für den Wohnpark Alt Erlaa von Bedeutung, sondern auch für vergleichbare großvolumige Wohnanlagen, die im Rahmen der Wärmewende vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

Publikationen

Transformation des Wohnparks Alt Erlaa zu einem klimaneutralen Quartier (Decarb Alt Erlaa)

Im Forschungsprojekt „Decarb Alt Erlaa“ wurde aufgezeigt, wie die größte Wohnanlage Österreichs zu einem klimaneutralen Quartier weiterentwickelt werden kann. Potenzialanalysen zu bautechnischen und gebäudetechnischen Maßnahmen, soziale Begleitung, CO₂-Bindungstechnologien und Risikoanalysen bestätigen die technische Umsetzbarkeit und soziale Verträglichkeit. Das Demonstrationsprojekt „JUNG Erlaa“ eröffnet nun die Chance, die erarbeiteten Konzepte konkret umzusetzen. Schriftenreihe 40/2026
P. Czarnecki, F. Wimmer, P. Holzer, M. Oberzaucher, R. Hammer, M. Wolf, C. Rzihacek, T. Pröll, L. Oberhuemer, E. Gruber, P. Pausackl, T. Fink
Herausgeber: BMIMI
Deutsch, 76 Seiten

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Projektbeteiligte

Projektleitung

IBR&I Institute of Building Research & Innovation ZT GmbH

Projekt- bzw. Kooperationspartner:innen

  • Gemeinnützige Wohnungsaktiengesellschaft Wohnpark Alt-Erlaa
  • Universität für Bodenkultur Wien - Institut für Verfahrens- und Energietechnik
  • wohnbund:consult eG

Kontaktadresse

DI Dr. Peter Holzer
Wipplingerstraße 23/3
A-1010 Wien
Tel.: +43 (1) 581 13 19 801
E-Mail: peter.holzer@building-research.at
Web: www.building-research.at