10., Rothneusiedl - Klimavorzeigestadtteil Rothneusiedl: Vorbereitung auf die geplante EU Mission "New European Bauhaus"
Kurzbeschreibung
Motivation und Ausgangslage
In Rothneusiedl entsteht ein Stadtteil, der zum Vorbild für Klimaschutz, Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft werden soll. In der RothNEUsiedl-Charta wurden neun Prinzipien festge-schrieben, die den Stadtteil in einem breiten Themenfeld – von der Energie über das Regenwas-sermanagement bis hin zur Integration lokaler Prägungen – klimagerecht und inklusiv machen sollen. Das städtebauliche und freiraumplanerische Leitbild baut darauf auf und übersetzt die Prinzipien in räumliche Planung. Mit diesen ambitionierten Zielsetzungen ist die Frage verknüpft, wie Ansprüche und Qualitäten über lange Zeiträume hinweg gesichert, weiterentwickelt sowie in Umsetzung und Betrieb getragen werden können. Das Projekt setzte hier an und ging der Frage nach, wie Baukultur im Sinne des New European Bauhaus nicht nur formuliert, sondern als lernfähige, angewandte Praxis im laufenden Stadtentwicklungsprozess lokal verankert werden kann. Im Zentrum stand dabei die Suche nach Haltungen und Arbeitsweisen, die Orientierung geben, Reflexion ermöglichen und Offenheit für zukünftige gesellschaftliche, technologische und ökologische Entwicklungen bewahren.
Projektinhalte und Zielsetzungen
Das Projekt New European Bauhaus RothNEUsiedl war als begleitender Reflexionsprozess zum städtebaulichen Leitbildprozess angelegt. Untersucht wurde, wie die hohen Ansprüche und Qualitäten eines Klimavorzeigestadtteils in einem langfristigen Entwicklungsprozess wirksam verankert, weiterentwickelt und in Richtung Umsetzung und Betrieb getragen werden können – und welche Rolle Baukultur dabei spielt. Im Fokus stand die Entwicklung eines gemeinsamen Orientierungsrahmens, der unterschiedliche Akteur:innen im Prozess verbindet.
Zentral dafür waren die Verbindung der europäischen Werte und Arbeitsprinzipien des New European Bauhaus mit den lokalen Planungen, die Identifikation zentraler Herausforderungen aus dem laufenden Leitbildprozess sowie die Förderung eines produktiven Austauschs zwischen den beteiligten Akteur:innen. Das Projekt zielte darauf ab, Bewusstsein und Akzeptanz für die langfristige Entwicklung zu stärken und Wege aufzuzeigen, wie hohe baukulturelle, soziale und ökologische Ansprüche über lange Zeiträume hinweg gesichert werden können – indem Weiter-entwicklung, Lernfähigkeit und ein angemessenes Maß an Flexibilität als zentrale Qualitäten ei-nes langwierigen und komplexen Prozesses sichtbar gemacht werden. Zugleich versteht sich die Entwicklung von RothNEUsiedl als Beitrag zum europäischen Diskurs über Baukultur, indem Er-fahrungen aus Planung und Lernen transparent gemacht und geteilt werden.
Methodische Vorgehensweise
Das Projekt folgte einem iterativen und dialogorientierten Ansatz, der analytische, konzeptionel-le und reflexive Methoden miteinander verband. Ausgangspunkt bildeten die Analyse beste-hender Grundlagen, Zielsetzungen und Prozesse rund um RothNEUsiedl sowie die Einordnung in den Kontext des New European Bauhaus. Darauf aufbauend wurden dialogische Formate und Expert:inneninterviews eingesetzt, um unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen, An-nahmen zu überprüfen und gemeinsame Verständigung zu ermöglichen. Reflexion wurde dabei als zentrale Arbeitsweise verstanden: Erkenntnisse aus dem laufenden Austausch flossen fort-laufend in die inhaltliche Schärfung und konzeptionelle Weiterentwicklung ein.
Ergebnisse und Schlussfolgerungen
Zentrales Projektergebnis ist der NEB-Kompass RothNEUsiedl. Er bündelt baukulturelle Werte sowie Lern- und Handlungsebenen und übersetzt sie in eine praxisnahe, zugängliche Form. Der Kompass dient als Arbeits- und Reflexionsrahmen für die laufende Entwicklung und unterstützt die Verständigung zwischen Planung, Verwaltung, Umsetzung und weiteren Beteiligten. Baukul-tur wird dabei als angewandte Praxis verstanden. Deutlich wurde, dass hohe baukulturelle und klimapolitische Ansprüche nicht allein durch Zielsetzungen oder planerische Festlegungen gesi-chert werden können. Entscheidend ist, wie mit diesen Ansprüchen im Verlauf der Entwicklung gearbeitet wird – über unterschiedliche Phasen, Akteur:innenkonstellationen und veränderte Rahmenbedingungen hinweg.
Im Projekt wurde sichtbar, dass Lernfähigkeit, Reflexion und Dialog keine begleitenden Zusatz-aufgaben sind, sondern zentrale Voraussetzungen für Qualitätssicherung in komplexen Entwick-lungsprozessen. Baukultur zeigt sich nicht nur im Ergebnis, sondern in den Wegen und der Praxis der Planung sowie im Umgang mit offenen Fragestellungen, sich ändernden Rahmenbedingun-gen und neuen Erkenntnissen, die in langfristigen Prozessen entstehen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Planung als offenen, aber zugleich verantwortungsvoll gesteuerten Prozess zu verstehen, der Weiterentwicklung zulässt, ohne grundlegende Haltungen aus dem Blick zu ver-lieren.
Als wesentliches Projektergebnis wurde der NEB-Kompass RothNEUsiedl als gemeinsamer Ori-entierungsrahmen erarbeitet, der diese Erkenntnisse bündelt und für unterschiedliche Ak-teur:innen zugänglich macht. Er unterstützt die Verständigung zwischen Planung, Verwaltung, Umsetzung und weiteren Beteiligten und trägt dazu bei, Lernprozesse sichtbar zu machen. Er regt dazu an, Reflexion als Grundlage einer lernenden Planungskultur zu verstehen, durch Er-proben die Brücke zwischen Idee, Innovation und Umsetzung zu schlagen und Wissen, das im Prozess entsteht, mit anderen zu teilen, um die Wirkung als Klimavorzeigestadtteil zu verstär-ken. Damit leistet das Projekt nicht nur einen Beitrag zur Entwicklung von RothNEUsiedl, sondern auch zur Diskussion darüber, wie Baukultur in großen, langfristigen Stadtentwicklungen wirksam werden kann.
Ausblick
Für die weitere Entwicklung von RothNEUsiedl liegt das Potenzial insbesondere darin, die im Projekt angelegten Prinzipien des Reflektierens, Erprobens und Teilens weiterzuführen und in kommenden Planungs- und Umsetzungsphasen wirksam werden zu lassen.
Zugleich eröffnet RothNEUsiedl die Möglichkeit, als Lern- und Referenzprojekt über den eigenen Kontext hinaus zu wirken. Die Weitergabe von Erfahrungen, Entscheidungswegen und Lerner-kenntnissen trägt dazu bei, den Diskurs über klimaneutrale, inklusive und baukulturell an-spruchsvolle Stadtentwicklung auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene zu vertiefen. Vo-raussetzung dafür ist, dass Lernfähigkeit, Offenheit und Dialog auch künftig als zentrale Qualitä-ten des Entwicklungsprozesses verstanden und aktiv gepflegt werden.
Publikationen
Klimavorzeigestadtteil Rothneusiedl – Vorbereitung auf die geplante EU Mission „New European Bauhaus“
In Rothneusiedl entsteht ein wegweisender Stadtteil für Klimaschutz, Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft. Die bestehende RothNEUsiedl-Charta skizziert neun Prinzipien, um den Stadtteil klimagerecht und inklusiv zu gestalten. Der dialogische und integrierte Prozess involviert diverse Zielgruppen, darunter Planungs- und Bauwirtschaft, künftige Bewohner:innen sowie Betriebe, um eine lokale Baukultur frühzeitig zu etablieren. Dabei werden NEB-Arbeitsprinzipien angewendet, um den parallel verlaufenden Leitbildprozess zu unterstützen.
Schriftenreihe
7/2026
Daniela Allmeier, Mario Weisböck, Ekaterina Winter, Lukas Lang, Bernhard Mayer, Mathias Mitteregger, Araminta Perlinger
Herausgeber: BMIMI
Deutsch, 54 Seiten
Downloads zur Publikation
Projektbeteiligte
Projektleitung
Wohnfonds – Wiener Stadtwerke Entwicklungs GmbH („WWEG")
Projekt- bzw. Kooperationspartner:innen
- Magistratsabteilung MA 21 A – Stadtteilplanung und Flächenwidmung
- Raumposition OG
- MOURA. Mobilität und Raum e.U.
- Technische Universität Wien, future.lab, Plattform für inter- und transdisziplinäre Lehre und Forschung
- Climate Lab
Kontaktadresse
Wohnfonds – Wiener Stadtwerke Entwicklungs GmbH
Tel.: +43 (1) 403 5919 86680
E-Mail: wweg@wohnfonds.wien.at
Web: www.wohnfonds.wien.at/wweg