Triple Transition in der angewandten Bauforschung

Mit der vorliegenden Kurzstudie sollen Schwerpunkte und die Ausrichtung eines neuen Bauforschungsprogramms des BMIMI aufbereitet werden. Vorgestellt werden Inputs, die sich an EU-Vorgaben, internationalen Best-Practice-Beispielen, bestehenden Stärkefeldern im österreichischen Bauwesen und einer tiefen Analyse möglicher Schwerpunkte orientieren.

Bibliographische Daten

Schriftenreihe 62/2026
Wolfgang Amann, Steffen Robbi, Ekaterina Winter
Herausgeber: BMIMI
Deutsch, 45 Seiten

Inhaltsbeschreibung

Der Gebäudesektor und die Bauwirtschaft in Österreich stehen anhaltend großen Heraus-forderungen gegenüber. Die wichtigsten sind auf der einen Seite die Dekarbonisierung des Wohnungsbestands unter Aufrechterhaltung von Leistbarkeit und auf der anderen Seite die Weiterentwicklung des Bauens zu mehr Innovation, Nachhaltigkeit und Produktivität. Das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) fördert seit vielen Jahren Bauforschung. In Anpassung an aktuelle Rahmenbedingungen und Herausforderungen bezieht sich die vorliegende Studie auf den Zugang der EU zu einer grünen Transformation der Wirtschaft. Triple Transition bedeutet die kombinierte und ineinander verschränkte grüne (Green Deal), digitale (Digital Decade) und soziale Transformation (Just Transition) als Voraussetzung für eine zukunftsfähige Europäische Union. Mit der vorliegenden Kurzstudie sollen Schwerpunkte und die Ausrichtung eines neuen Bauforschungsprogramms des BMIMI aufbereitet werden. Die in dieser Studie vorgestellten Inputs orientieren sich an EU-Vorgaben, internationalen Best-Practice-Beispielen, bestehenden Stärkefeldern im österreichischen Bauwesen und einer tiefen Analyse möglicher Schwerpunkte.

Ein Bauforschungsprogramm sollte die wirtschaftlichen Treiber der Transformation nutzen (Fachkräftemangel, Kostendruck, notwendige Prozessoptimierung, EU-Vorgaben, Schwerpunktverlagerung vom Neubau zur Sanierung, vertikale Integration von Lieferketten). Es muss Antworten auf die Herausforderungen von Klimawandel, Klimawandelanpassung, Ressourcenknappheit, Fach- und Arbeitskräftemangel liefern. Es sollte bei bestehenden Stärkefeldern ansetzen (Holzbau & nachwachsende Rohstoffe, Baustoffinnovation & ökologische Materialien, Energieeffizientes Bauen & Gebäudetechnik, Systemlösungen & integrale Planung, Zertifizierungssysteme). Ein bewährtes Mittel ist es, für klar definierte Innovationsfelder einen Heimmarkt zu generieren, auf dessen Basis die Kapazitäten so weit skaliert werden können, dass internationale Märkte erschließbar werden. Bestehende Förderschienen (aws, FFG, KPC, Wohnbauförderung der Länder) sind einzubinden und zu verstärken. Gleichzeitig sind Überförderungen zu vermeiden. Es wird eine breite Definition von Systeminnovation mit Fokus auf Markterschließung und Exportorientierung empfohlen. Verpflichtende Partnerschaften zwischen Wirtschaft und Forschung haben sich in der Vergangenheit als effektiv erwiesen. Forschungsförderung sollte die (neuen) Unternehmen dabei unterstützen, langen Atem zu beweisen. Jede unternehmerische Skalierung durchläuft Krisen. Ein Förderprogramm sollte in solchen Situationen ein stabilisierender Faktor sein. Ein Förderfokus sollte die mittelständische Wirtschaft sein, da sie einerseits ein breites Wettbewerbsfeld sicherstellt und andererseits über ausreichende Kapazitäten zur industriellen Skalierung verfügt. Das EU-Beihilfenrecht liefert Leitlinien für die Forschungsförderung. Insbesondere bei Förderungen zur Markterschließung scheint es wichtig, die beihilfenrechtlichen Grenzen auszureizen.

Es wurden sieben Themenfelder definiert. Jedes der Themenfelder wurde auf einer strategischen (Zielsetzungen), einer inhaltlichen (Ausgestaltung) und einer operativen Ebene (Umsetzung) nach den Kriterien der nachhaltigen, der digitalen und der sozialen Transformation analysiert und auf diese Weise geeignete Forschungsschwerpunkte für ein neues Bauforschungsprogramm identifiziert:

Themenfeld Dekarbonisierung:

  • Einheitliche Standards bei One-Stop-Shops zur Förderberatung
  • Produktentwicklungen kosteneffiziente Kühlung in Bestandsbauten
  • Praxisbeispiele EPBD-kompatible minimalinvasive Sanierungen (in bewohnten Objekten)

Themenfeld Produktivitätssteigerung: 

  • Schwerpunkt "Modern Means of Construction (MMC)"
  • Schwerpunkt PropTech, z.B. zur Erschließung internationaler Märkte
  • Vorfertigung/serielle Sanierung in Verbindung mit der Ukraine-Wiederaufbauhilfe

Themenfeld Digitales Bauen: 

  • Musterprojekte „BIM-vollintegrierter großvolumiger Wohnungsneubau"
  • „Challenge" für Gemeinden: Verkürzung der Baubewilligungsverfahren
  • Musterprojekte „Einsatz Robotik/Drohnen in der Bauüberwachung"

Themenfeld Zirkuläres Bauen: 

  • Pilotprojekte mit nachfolgender Skalierung durch die Wohnbauförderung der Länder

Themenfeld Naturbasierte Baustoffe: 

  • Exportoffensive naturbasierte Baustoffe
  • Start-up-Förderung naturbasierte Baustoffe
  • Exportoffensive vorgefertigte Bauteile aus nachwachsenden Rohstoffen

Themenfeld Klimaadaptives Bauen: 

  • Forschungsprojekt Sektorkopplung Immobilien- und Energiewirtschaft
  • Challenge Bauwerksbegrünung

Themenfeld Einfaches/soziales Bauen: 

  • Pilotprojekte / Wettbewerb „Grüne Innenstädte"
  • Pilotprojekte "Sozial klimaadaptive Quartiere für leistbares Wohnen für Alle"

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