WLCÖ - Whole Life Carbon Österreich: Vergleichbare Lebenszyklusbewertungen für Gebäude und Bauweisen in Österreich
Kurzbeschreibung
Ausgangssituation/Motivation
Der Bau- und Gebäudebereich ist – inklusive aller vor- und nachgelagerten Branchen bei sektorübergreifenden Betrachtung – für rund 40% der globalen anthropogenen CO2-Emissionen verantwortlich und damit zentral für die Erreichung der Pariser Klimaschutzziele.
Während "betriebsbedingte Emissionen" bereits weitgehend reguliert und erfolgreich reduziert werden, gibt es nur wenige, belastbare Grundlagen zur Bewertung der "konstruktionsbezogenen Emissionen" – jener aus Herstellung, Bau, Instandhaltung, Rückbau, Aufbereitung und Entsorgung - weshalb diese immer stärker in den Fokus rücken.
Inhalte und Zielsetzungen
Neue EU-Vorgaben (European Performance of Buildings Directive (EPBD), Construction Products Regulation (CPR)) fordern eine Lebenszyklusbewertung aller Emissionen. Österreich verfügt derzeit über kein nationales Verfahren, um die Umweltwirkungen von Bauweisen und Gebäuden konsistent und vergleichend zu bewerten.
Daher ist das Ziel des Projekts die Entwicklung einer österreichweit anwendbaren und wissenschaftlich fundierten Gebäude-Ökobilanzierungsmethode, die eine neutrale und konsistente Analyse konventioneller und zukunftsfähiger Bauweisen ermöglicht.
Methodische Vorgehensweise
Die Methode der angewandten Ökobilanzierung soll gleichzeitig im Kontext des Delegated Act zur EPBD als "nationale Methode für Österreich" anerkennungsfähig sein und den wissenschaftlichen Anforderungen im Kontext globaler und europäischer Dekarbonisierungspfade entsprechen.
Dafür werden bestehende Normen (z.B. EN 15643, EN 15804, EN 15978), internationale Datenquellen (ÖKOBAUDAT, ecoinvent, Umweltproduktdeklarationen (EPDs)), nationale Standards (klimaaktiv, ÖGNB und ÖGNI sowie ÖBV und die zukünftige OIB-RL7) sowie Standards der Nachbarländer (SIA 390/1, DIN SPEC 91606), Vorgaben der EPBD und des Delegated Acts sowie diverser Guidance Notes der Europäischen Kommission, Bewertungsmethoden, die im Rahmen des IEA EBC Annex 72 und 89 identifiziert wurden, systematisch analysiert und für den österreichischen Kontext angepasst bzw. weiterentwickelt. Basierend auf dieser österreichspezifischen Methodik werden harmonisierte Gebäudeinventare und Betriebsenergiedaten von konventionellen und innovativen Bauweisen erfasst und die Umweltwirkungen vergleichend über den gesamten Lebenszyklus bewertet.
Die Integration in das Gebäudebestandsmodell PULSE-AT der TU Graz ermöglicht einen Vergleich mit repräsentativen Gebäuden auf nationaler Ebene (Neubau und Bestand). Mittels prospektiven Szenarien (P-LCA) können zukünftige Lebenszykluswirkungen der Bauweisen und -konzepte im Zeithorizont bis 2050 berechnet und so mögliche Grenz-, Referenz- und Zielwerte für einzelne Gebäudeklassen abgeleitet werden, was die Einordnung der Auswirkungen auf Energieverbrauch und Klima in den breiten Kontext österreichischer Dekarbonisierungspfade ermöglicht.
Erwartete Ergebnisse
Schlussendlich werden auf Basis der Ergebnisse praxisnahe Leitlinien und Handlungsempfehlungen zur Entscheidungshilfe für Bauprojekte mit zielgruppengerechter Aufbereitung, breiter Verbreitung und Anwendung der Projektergebnisse entwickelt. Zugleich werden Empfehlungen zur Anpassung bestehender nationaler Normen, Richtlinien und Zertifizierungssysteme erarbeitet, um die Implementierung von EU-Vorgaben in Österreich zu beschleunigen.
Das Projekt legt damit das Fundament für eine belastbare, neutrale und praxisnahe Bewertung der Klima- und Umweltwirkung von Gebäuden und unterstützt Österreich somit auf dem Weg zu klimaneutralen Städten.
Projektbeteiligte
Projektleitung
Technische Universität Graz
Projekt- bzw. Kooperationspartner:innen
Universität Innsbruck
Kontaktadresse
Univ.-Prof. DI Dr.techn. Alexander Passer
Rechbauerstraße 12
A-8010 Graz
Tel.: +43 (316) 873-7153
E-Mail: alexander.passer@tugraz.at
Web: www.tugraz.at