U-Bahn goes circular - Steigerung der Kreislaufwirtschaft im Tiefbau der U-Bahn-Strecken Wiens
Kurzbeschreibung
Technische, rechtliche und organisatorische Untersuchung der Machbarkeit einer zirkulären Bewirtschaftung von Aushubmaterialien im großvolumigen Tiefbau – am Beispiel des Ausbaus der Wiener U-Bahn-Linie U5.
Ausgangssituation/Motivation
Im großvolumigen Tiefbau, insbesondere beim Bau von U-Bahn-Infrastruktur, fallen in Österreich erhebliche Mengen an Aushubmaterial an. Der überwiegende Teil dieser Materialien wird derzeit deponiert oder nur geringwertig verwertet, was mit hohem Flächenverbrauch, intensiven Transportaufwänden und zusätzlichen CO₂-Emissionen verbunden ist. Im Jahr 2023 wurden in Österreich von über 23 Mio. t nicht verunreinigtem Aushubmaterial (BA, A1, A2, A2-G) rund 50 % deponiert (s. BAWP Statusbericht 2025, Referenzjahr 2023).
Ein zentrales Hemmnis liegt in der derzeitigen Praxis der abfallrechtlichen Klassifizierung, die nur eingeschränkte Aussagen über die geotechnische Eignung, Rekultivierungsfähigkeit und industrielle Verwertbarkeit der Materialien zulässt. Zudem werden Verwertungsmöglichkeiten bislang getrennt nach abfallrechtlichen und geotechnischen Kriterien betrachtet, ohne diese systematisch zusammenzuführen. Untersuchungen im Umfeld des U-Bahn-Baus zeigen jedoch, dass prozessbedingte Verunreinigungen zwar die abfallrechtliche Einstufung beeinflussen, die tatsächliche Verwertbarkeit des Aushubmaterials jedoch kaum einschränken.
Inhalte und Zielsetzungen
Das Projektziel ist die Systematisierung der Elemente zirkulärer Bewirtschaftung der Stoffströme im U-Bahn Bau. Das Sondierungsprojekt bereitet die Umsetzung eines nachfolgenden Reallabors im U-Bahn-Bau vor. Materialkonzepte für eine zirkuläre Bewirtschaftung von Großbaustellen erfordern eine systematische Analytik der rohstofflichen und logistischen Potenziale.
Im Fokus steht die Entwicklung innovativer Untersuchungsmethoden, um Materialien sortenrein aufzubereiten und hochwertig wiederzuverwerten. Ergänzend werden Transport- und Logistikprozesse optimiert, digitale Werkzeuge zur Steuerung von Materialkreisläufen untersucht und rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigt. Gleichzeitig sollen neue Geschäftsmodelle erprobt werden, um Effizienz und Nachhaltigkeit im Tiefbau zu steigern.
Konkret soll das Sondierungsprojekt folgende Ziele umsetzen:
- Systematisierung der Verwertungsanalytik
- Innovative Recyclingtechnologien für den Tunnelbau
- THG-Reduktion im Transport
- Einschätzung prozesstechnischer Wirkungen (Einsatz von Konditionierungsmitteln)
- Digitales Dashboard zur zirkulären Bauabwicklung
- Abfallende für Sekundärrohstoffe aus Tunnelbruch
- Zirkuläre Erweiterung der verschiedenen Tunnelvortriebsmethoden
Methodische Vorgehensweise
Bestehende Materialkonzepte und Machbarkeitsstudien werden überprüft und weiterentwickelt, um eine belastbare Grundlage für das Reallabor zu schaffen. Durch die gezielte Nutzung von Aushubmaterialien sollen Ressourcen geschont, Transporte optimiert und CO₂-Emissionen reduziert werden.
Das Sondierungsprojekt bereitet die Umsetzung einer zirkulären Bewirtschaftung von Aushubmaterialien vor der Bauführung vor und legt die Grundlage für ein nachfolgendes Reallabor. Basis bilden bestehende Voruntersuchungen zu den Stoffströmen der U5 (Streckenabschnitt 2), die gemeinsam von ROMM ZT, dem Generalplaner und den WIENER LINIEN bereits erarbeitet wurden.
Die Methodik umfasst die systematische Entwicklung und Prüfung von Strategien zur zirkulären Bewirtschaftung: Materialien werden auf ihre geotechnische und industrielle Verwertbarkeit analysiert, innovative Recyclingtechnologien für den Tunnelbau – insbesondere mobile Anlagen – werden untersucht, und Transport- sowie Logistikprozesse werden auf direkte Wiederverwendung und CO₂-Reduktion abgestimmt.
Parallel dazu werden prozesstechnische Einflüsse wie Tunnelvortrieb und Konditionierungsmittel auf die abfallrechtliche Einstufung evaluiert, digitale Werkzeuge zur Steuerung und Dokumentation der Materialflüsse getestet sowie rechtliche und vergaberechtliche Rahmenbedingungen geprüft.
Abschließend werden Perspektiven zur zirkulären Prozessinnovation verschiedener Tunnelvortriebsmethoden untersucht, um eine effiziente und nachhaltige Umsetzung im Reallabor zu ermöglichen.
Erwartete Ergebnisse
Die Erkenntnisse sollen einen wesentlichen Beitrag zur strategischen Entscheidungsfindung über ein nachfolgendes Reallabor und weitere FEI-Vorhaben leisten. Die Sondierung unterstützt dabei die Beurteilung in folgenden Dimensionen:
- systematische Analyse der technologischen und organisatorischen Innovationsansätze, insbesondere im Bereich der stofflichen Verwertung von Aushubmaterialien
- Reduktion des Primärrohstoffeinsatzes um bis zu 50 % bei bestimmten Gesteinsfraktionen (Quantifizierung abhängig von der stofflichen Zusammensetzung des Aushubs)
- Entwicklung neuer Geschäftsmodelle im Bereich Urban Mining und Sekundärmaterialhandel
- Erhöhung der Wertschöpfung in der Region durch lokale Aufbereitung
- Unterstützung der Dekarbonisierung in Transport und Rohstoffbeschaffung bei Ver- und Entsorgung
Projektbeteiligte
Projektleitung
Arch. DI Thomas Matthias, Romm - forschen planen bauen ZT
Projekt- bzw. Kooperationspartner:innen
WIENER LINIEN GmbH
Kontaktadresse
Romm - forschen planen bauen ZT
Arch. DI Thomas Romm
Löwengasse 47A/7
A-1030 Wien
Tel.: +43 (650) 984 84 88
E-Mail: thomas.romm@romm.at
Web: www.romm.at