Smart Dag - Smarte und klimaneutrale Sanierung der Dag Hammarskjöld Siedlung

Für eine smarte und nachhaltige Sanierung der Klagenfurter Dag Hammarskjöld Siedlung, ein Wohnquartier aus den 50/60-er Jahren, wird aufbauend auf den Leitfaden "Quartier & Wir", der Bestand (Gebäude, Grün- und Freiraum, soziale Gefüge) analysiert und befundet. Die Ergebnisse sind die Grundlagen für die Auslobung eines Architekturwettbewerbes. Die noch vor Ort ansässigen Bewohner:innen des Quartiers und die Wohnbauförderungsstelle des Landes Kärnten werden in die Sondierung eingebunden. Ziel ist es, die Ergebnisse der Studie auf andere Sanierungsprojekte zu übertragen und damit einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele der Stadt Klagenfurt zu leisten.

Kurzbeschreibung

Motivation und Forschungsfrage

Auf dem Weg zur Erreichung der Klimaneutralität nimmt die Dekarbonisierung des Gebäudesektors eine zentrale Rolle ein.

In Klagenfurt und darüber hinaus in ganz Kärnten wird im Umgang mit bestehenden Wohnquartieren bisher die konventionelle Methode Abriss/Neubau („Reconstructing") angewendet. Die Nachteile dieser Methode bestehen darin, dass - im Vergleich zu einer Vollsanierung - etwa 4,5 mal mehr Rohstoffe verbraucht, etwa 4,5 mal verursacht und mehr als dreimal so viele CO₂e-Emissionen erzeugt werden. Zudem führt diese Methode auch zur Abwanderung von Bewoh-ner:innen und damit zur Verfehlung der sozialen Treffsicherheit. Diese Vorgangsweise - Abriss/Neubau („Reconstructing") - basiert auf tradierten Denk- und Handlungsweisen und reprodu-ziert Linearwirtschaft mit all seinen negativen Folgen für das Klima und die Gesellschaft.
Auf dem Weg zur Erreichung der Klimaziele – EU 2050, Österreich 2040 und Klagenfurt 2030 – ist ein Paradigmenwechsel vor allem im Bauwesen absolut und dringend notwendig, da global betrachtet 50% der Ressourcen, 36% des Gesamtmülls und 37% der CO₂e-Emissionen von ihm verursacht werden.

Einen grundlegenden Beitrag zur Änderung dieser globalen Situation lokal und effektiv zu leisten war die Hauptmotivation für diese Sondierung.

Die Forschungsfrage lautete, ob der bisher linearwirtschaftlich geprägte Umgang mit bestehenden Wohnquartieren durch die Anwendung einer ganzheitlichen Betrachtungs- und Prozesskultur zu einem ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltigeren Ergebnis führt und somit auch einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele der Stadt Klagenfurt leistet.

Paradigmatisch wurde für diese Sondierung die Dag Hammarskjöld-Siedlung - eine seit längerem sanierungsbedürftige stadteigene Wohnsiedlung mit 200 Wohneinheiten aus den frühen 1960er Jahren im Klagenfurter Stadtteil Waidmannsdorf mit den niedrigsten Mieten im geförderten Wohnbau - gewählt, mit dem Ziel der Durchführung einer erstmaligen Sanierung eines großvolumigen Wohnquartiers, noch dazu im Segment des leistbaren Wohnens, anstelle des konventionellen Abrisses/Neubau („Reconstructing").

Ausgangssituation/Status Quo

Die Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee ist die einzige österreichische Stadt, die Teil der EU Cities Mission mit dem Ziel Klimaneutralität bis 2030 ist und als eine von 10 österreichischen Pionier Großstädten engagiert eine Vorreiterrolle auf dem Weg in Richtung Klimaneutralität einnimmt: Eine wesentliche Säule liegt u.a. in der Sanierung von Bestandsgebäuden der Stadt (wie jene der Dag Hammarskjöld Siedlung) und in der Entwicklung von klimaneutralen Stadtteilen und Quartieren.
Ausschlaggebend im WLCS (Whole Life Carbon Assessment) eines Gebäudes sind vor allem jene Emissionen, die bei der Herstellung (embodied carbon), also zeitlich unmittelbar, noch vor der Inbetriebnahme des Gebäudes (operational carbon), anfallen.

Ob also ein bestehendes Wohnquartier abgerissen und an seiner Stelle Neubauten errichtet werden oder ob das bestehende Wohnquartier saniert wird, macht einen sehr großen Unterschied bei den unmittelbar bei der Herstellung ausgestoßenen CO₂e- Emissionen.

Projekt Inhalte und Zielsetzungen

Im Projekt Smart Dag wurden Entscheidungsgrundlagen erarbeitet, welche eine objektive Bewertung - ob über den Lebenszyklus gerechnet und unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Faktoren eine Sanierung oder ein Abriss/Neubau („Reconstructing"), ökonomisch, ökologisch und sozial, nachhaltiger und damit sinnvoller ist - ermöglicht. Diese Entscheidungsparameter können in Folge auch auf weitere Projekte in Klagenfurt und in anderen österreichischen Städten und Gemeinden umgelegt werden.

Durch die wissenschaftliche Begleitung wurden auch aufgetretene Hemmnisse und systemische Spannungsfelder aufgezeichnet und sichtbar gemacht. Dies dient als Grundlage zur Anpassung von Rahmenbedingungen.

Methodische Vorgehensweise

Im Sondierungsprojekt Smart Dag ist eine ganzheitliche und umfangreiche Untersuchung des Bestandes (Gebäude, Energie, Grün- und Freiraum, soziale Gefüge) durchgeführt worden, mit dem Ziel Erkenntnisse über den Bestand zu gewinnen und damit bestmögliche Grundlagen und Zielvor-gaben für den Architekturwettbewerb herzustellen.

Es wurde eine Methodik zur Entscheidungsfindung für Sanierungsprojekte entwickelt. Primär ist die erstmalig durchgeführte Erhebung und Befundung nach "Quartier & Wir" zu nennen, die aufzeigt, wie essenziell eine qualitativ durchgeführte Vorerhebung ("Phase 0") für alle weiteren Phasen im Projekt ist.

Neben einem Mobilitätskonzept, einem Energiekonzept und einem Grün- und Freiraumkonzept wurde ein besonderes Augenmerk auf den Umgang und die Integration der Bewohner:innen im sozialen Wohnbau mit einer diversen Mieter:innenstruktur gelegt - dies mündete zusätzlich in einem Sozialraumkonzept.

Hinzu kommen die entwickelten und innovativen KPIs (Key Performance Indikators), an welchen Projekte nun objektiv auf ihre Nachhaltigkeit hin geprüft werden können. Im Forschungsprojekt wurden damit drei mögliche Varianten – Abriss/Neubau („Reconstructing"), Teilabriss und übermäßige Nachverdichtung, Sanierung und angemessene Nachverdichtung) - geprüft und verglichen.

Die Auslobungsunterlage für den Architekturwettbewerb wurde mit eigens entwickelten Nachhaltigkeitskriterien (siehe Anhang) ergänzt, die objektiv mess- und prüfbar und allgemein auf andere Projekte übertragbar sind.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Die Sanierung der Dag Hammarskjöld-Siedlung ist, entgegen vorangegangener Behauptungen, nachweislich möglich, da diese Variante alle KPIs - ökologisch, sozial und ökonomisch - positiv erfüllt.

Das mit Abschluss der Sondierung angestrebte Endergebnis, ein einreichfähiges Projekt für die Wohnbauförderung des Landes Kärnten zu entwickeln, konnte aufgrund von Verzögerungen im Projektverlauf durch externe Hemmnisse nicht erreicht werden.

Das ist ein wichtiger Hinweis, dass gerade großvolumige Sanierungsprojekte nicht losgelöst von konventionellen betrieblichen Logiken und realpolitischen Systemiken sind.

Festgestellt wurde auch, dass die Anpassung von Rahmenbedingungen - Förderungen und Kreditlaufzeiten aktuell die Sanierung benachteiligen und daher dringend angepasst werden müssen.

Die bautechnischen Vorgaben stellten in diesem Fall ein weniger großes Hindernis dar. Wichtig war hierbei jedoch die frühzeitige Abklärung mit der lokalen Baubehörde, welche die Bauführung im Bestand durch Anwendung der OIB-Richtlinien (Österreichisches Institut für Bautechnik) und damit die Sanierung für durchführbar einstufte.

Ausblick

Die Baurechtsvertragsverhandlungen von Klagenfurt Wohnen (der stadteigene Eigenbetrieb, der für die Verwaltung, Erhaltung und Bereitsstellung von städtischem Wohnraum zuständig ist) mit einer gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft sind nach wie vor in Gang.

Ein Meilenstein ist, dass dennoch die aus dem Forschungsprojekt kommenden KPIs im Vorprüfungskatalog und auch weitere Nachhaltigkeitskriterien in der Beurteilung im Architekturwettbewerb, Bestandteil des Baurechtsvertrags in diesen Verhandlungen sind.

Hinzu kommt, dass die für die Wohnbauförderungsstelle des Landes Kärnten zuständige politische Referentin, aufgrund der wissenschaftlichen Ergebnisse aus diesem Forschungsprojekt, an der Sanierung der Dag Hammarskjöld-Siedlung festhält. Die positiven volkswirtschaftlichen Auswirkungen einer Sanierung fördern das Gemeinwohl und stehen somit klar über Einzelinteressen, die einen konventionellen Abriss/Neubau („Reconstructing") forcieren.

Im Leitprojekt KrAIsbau ist die Dag Hammarskjöld-Siedlung als einziger mehrgeschoßiger Wohnbau noch dazu im Segment "Leistbares Wohnen" vorgestellt worden. Bei entsprechendem Kommitment des Eigentümers kann die Siedlung damit im Leitprojekt ein wesentliches Segment des österreichischen Baubestandes abbilden.

Da Klagenfurt Wohnen eine dringende soziale Unterstützung im Veränderungsprozess als notwendig erachtet, kommt es ab dem Jahr 2026 zu einem Dienstleistungsvertrag mit der Diakonie de La Tour zur weiteren sozialarbeiterischen Unterstützung sowie zur Beratung zur inklusiven Stadtteilentwicklung durch psychosoziale Begleitung und bürgernahe Kommunikation im Rahmen der Entwicklungen in der Dag Hammarskjöld-Siedlung. Dies inkludiert unter anderem die folgenden Punkte:

Projektsteuerung und Management der Bürger:innenbeteiligung in Zusammenarbeit mit Klagenfurt Wohnen, laufende niederschwellige aufsuchende Soziale Arbeit, Workshopmoderation und -design, soziale Arbeit vor Ort im Sinne der Abklärung mittels Einzelfallhilfe oder Gruppenfallhilfe, Entlastung und Deeskalation sowie Begleitung und Vermittlung.

Publikationen

Smarte und klimaneutrale Sanierung der Dag Hammarskjöld Siedlung (Smart Dag)

Für eine smarte und nachhaltige Sanierung der Klagenfurter Dag Hammarskjöld Siedlung, ein Wohnquartier aus den 50/60-er Jahren, wird aufbauend auf den Leitfaden "Quartier & Wir", der Bestand (Gebäude, Grün- und Freiraum, soziale Gefüge) analysiert und befundet. Die Ergebnisse sind die Grundlagen für die Auslobung eines Architekturwettbewerbes. Die noch vor Ort ansässigen Bewohner:innen des Quartiers und die Wohnbauförderungsstelle des Landes Kärnten werden in die Sondierung eingebunden. Ziel ist es, die Ergebnisse der Studie auf andere Sanierungsprojekte zu übertragen und damit einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele der Stadt Klagenfurt zu leisten. Schriftenreihe 16/2026
Wolfgang Hafner, Birgit Pobatschnig, Stefan Guggenberger, Stefan Breuer, Wolfgang Grillitsch, Christina Böckl, Jens Leibold, Hannes Schindler, Mario Grill Deutsch, 95 Seiten

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleitung

Magistrat der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee, Abteilung Klima und Umweltschutz

Projekt- bzw. Kooperationspartner:innen

  • FH Kärnten Villach, Studiengang Architektur
  • Renowave.at
  • IPAK GmbH
  • Diakonie de la Tour
  • Klagenfurt Wohnen

Kontaktadresse

Magistrat der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee
Abteilung Klima- und Umweltschutz
Bahnhofstraße 35
A-9020 Klagenfurt am Wörthersee
Tel.: +43 (463) 537 4886
E-Mail: wolfgang.hafner@klagenfurt.at
Webseite: www.klagenfurt.at/stadtservice/klima-umwelt/laufende-projekte