Mind the gap - Entwicklung eines Richtbohr­verfahrens für oberflächennahe Geothermie

Das Projekt entwickelt ein miniaturisiertes Richtbohrverfahren, das die geothermische Erschließung unter bestehenden Gebäuden ermöglicht und damit eine zentrale Lücke im urbanen Altbaubestand schließt. Durch die Bohrung von befahrbaren Randbereichen aus und die vollständige Lage der Sonden auf Eigengrund werden Genehmigungsverfahren vereinfacht und Eingriffe in den öffentlichen Raum reduziert. Die Sondierung klärt technische, regulatorische und wirtschaftliche Machbarkeit und schafft die Basis für die Entwicklung eines Prototyp.

Kurzbeschreibung

Ausgangssituation / Motivation

Die Dekarbonisierung des Bestandsgebäudesektors ist ein zentraler Hebel der österreichischen Klimastrategie. Während geothermische Systeme im Neubau etabliert sind, fehlt für dicht verbaute Altbaugebiete eine technische Lösung.

Modernisierungen scheitern häufig an fehlenden Freiflächen, Konflikten mit bestehender Infrastruktur oder Genehmigungshürden im öffentlichen Raum. Damit bleibt ein erhebliches Potenzial ungenutzt: Unter Bestandsgebäuden könnten geothermische Ressourcen erschlossen werden, doch existiert derzeit kein geeignetes Bohrverfahren.

Inhalte und Zielsetzungen

Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines innovativen Richtbohrverfahrens, das Bohrungen aus befahrbaren Randbereichen – etwa Gehsteigen oder Einfahrten, unter Bestandsgebäude ermöglicht. Die Erdwärmesonden verbleiben vollständig auf Eigengrund, wodurch Eingriffe im öffentlichen Raum reduziert und Genehmigungsverfahren vereinfacht werden.

Technologisch basiert der Ansatz auf der Miniaturisierung und Anpassung etablierter Richtbohrtechnologien aus HDD sowie der Öl- und Gasindustrie. Diese Systeme sind jedoch für horizontale Anwendungen oder große Tiefen optimiert; ihre Übertragung auf kleinskalige, weitgehend vertikale Bohrungen bis ca. 300 m ist bislang ungeprüft.

Die Sondierung beantwortet drei Kernfragen:

  1. Technische Machbarkeit: geeignete Bohrgeometrien, Steuermechanismen und Messsysteme im urbanen Lockergestein
  2. Regulatorik: bau- und wasserrechtliche Voraussetzungen sowie die Anwendung bestehender Normen (VDI 4640, WRG, Bauordnungen)
  3. Wirtschaftlichkeit: Kostenstruktur, Skalierbarkeit, Einsatzszenarien und potenzielle Geschäfts- und Fördermodelle

Methodische Vorgehensweise

Die Analyse umfasst:

  • technisch-funktionale Bewertung bestehender Richtbohr- und Messsysteme und deren Anpassungspotenzial
  • räumlich-rechtliche Bewertung möglicher Genehmigungspfade und normativer Anforderungen
  • wirtschaftliche Markt- und Kostenanalyse, inklusive Abschätzung des adressierbaren Gebäudebestands
  • Nachhaltigkeits- und Sozialanalyse mit Fokus auf CO₂-Einsparung, Eingriffsminimierung und geschlechtersensibler Umsetzung

Die Ergebnisse dienen als Entscheidungsgrundlage für ein nachfolgendes F&E-Projekt zur Prototypentwicklung.

Erwartete Ergebnisse

Die Sondierung liefert:

  • klare technische Anforderungen und Risiken für ein miniaturisiertes Richtbohrsystem
  • Handlungsempfehlungen zur regelkonformen Realisierung von Unterbau-Bohrungen
  • wirtschaftliche Bewertung eines potenziellen Markts von rund 240.000 Objekten (2,4-3,6 Mrd. €), erste Szenarien für Geschäftsmodelle sowie Skalierungspfade
  • ökologische und soziale Wirkungseinschätzung (CO₂-Reduktion von 15-20 t pro Gebäude und Jahr, geringe Eingriffe, erhöhte Zugangschancen für Haushalte mit begrenzten Budgets)

Damit legt das Projekt die Grundlage für einen technologischen Entwicklungsschritt, der geothermische Energie auch in dicht verbauten urbanen Räumen erschließbar macht.

Projektbeteiligte

Projektleitung

Terra Umwelttechnik GmbH

Projekt- bzw. Kooperationspartner:innen

  • Int. CSR Dialogforum - Kompetenzzentrum für integrierte Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft e.V.
  • SGE - Sustainable Geo GmbH

Kontaktadresse

Terra Umwelttechnik GmbH
DI Robert Philipp
Großmarktstrasse 7c
A-1230 Wien
Tel.: +43 641 824 375
E-Mail: Robert.philipp@terra.cc
Web: www.terra.cc