LenA circular houses - Demonstration des circular architecture design process für zirkuläres und reuse Bauen anhand des Leuchtturmprojekts LenA
Kurzbeschreibung
Laut dem Global Status Report for Buildings and Construction der Vereinten Nationen ist die Baubranche für rund 40% der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich (UNEP, 2022). Durch das linear gestaltete Wirtschaftssystem werden wertvolle Baustoffe zum Ende ihres Lebenszyklus trotz des hohen stofflichen Werts entsorgt, anstatt diese im Kreislauf zu halten. Die Wiederverwendung und die Rückbaubarkeit von Bauteilen tragen wesentlich zu Einsparung von Emissionen bei.
materialnomaden GmbH trägt seit mehreren Jahren seine Expertise zu Kreislaufwirtschaft an die Baubranche durch Projekte unterschiedlicher Größenordnungen heran. Ende 2021 wurde die „circular house GmbH" gegründet. Sie fungiert als Projektentwicklerin und Bauherrin für das umzusetzende Projekt LenA. Anhand einer Bestanderweiterung in einer oberösterreichischen Einfamilienhaus-Siedlung aus den 1950er Jahren wird prototypisch in der Anwendung gezeigt, dass hohe Gebäudequalität, niedriger Ressourcenverbrauch und geringste Emissionen durch die Prinzipien des kreislauffähigen Bauens sowohl bei Sanierungsvorhaben als auch bei Neubauvorhaben gelingen kann. Im vorliegenden Projekt wird das Bestandsgebäude saniert, aufgestockt und zwei weitere eigenständige Einheiten werden am Grundstück zu gesamt 360 m2 Nutzfläche erweitert.
Begleitend zur baulichen Umsetzung ist die Erforschung und die Demonstration der positiven Klimawirkung durch Wiederverwendung ein Aspekt, um die neuen Prozesse standardisierbar zu beschreiben und die Hauptprinzipien in die derzeit gültigen Leistungsphasen in der Planung und Ausführung zu übertragen. In einer ökologischen Vergleichs-Bewertung – LCA (Life-Cycle-Assessment), die vom Team Exikon erstellt wurde – wird aufgezeigt, in welchem Ausmaß ein ReUse–Gebäude gegenüber einem konventionellen Neubau positive Auswirkungen für Mensch und Umwelt hat.
Dass ReUse im Vergleich zu Recycling ein Vielfaches an Ressourceneinsparung ermöglicht, wird anhand des Einsatzes und der Entwicklung von ReProducts® verdeutlicht. Der ReParkett® – eines der ersten standardisierten ReUse-Produkte kommt im Projekt zum Einsatz. Durch sein CO₂ Zertifikat fließt eine quantifizierbare Emissions-Einsparung in die Gebäudebewertung ein. Diese wird als Lenkungsbaustein für eine EU-Taxonomiekonforme Projektfinanzierung für Bankkreditkonditionen bewertbar, und veranschaulicht die mögliche Finanzierbarkeit einer Bauwende, die sich vermehrt dem Bestand und den Sekundärmaterialien verpflichten wird müssen, um gesetzte Klimaziele zu erreichen.
Eine Bewertbarkeit der eingesparten und wiedereinzusetzenden Sekundär-Ressourcen setzt die Integration der Phase „Rückbau" voraus: für die Bauteildatenbankerstellung ergibt sich daraus eine zusätzliche Planungsleistung, die in herkömmlichen Planungsprojekten bis dato nicht berücksichtigt wird. Hier spielen die Digitalisierung und Bauteilkatalogisierung eine wesentliche Rolle, um Information zu Verfügbarkeit, Demontagezeitraum und Menge, sowie Eigenschaften für eine Integration in eine neue Planung übergeführt zu werden. RosinA ist im Projekt LenA das eingesetzte Tool zur Erstellung von Reuse–Datenblätter. Bauteile, Materialien und Produkte aus Rückbaugebäuden oder anderen Quellen, die für eine Weiterverwendung in Frage kommen, werden erfasst, um Bild-, Objekt- und Materialeigenschaften ergänzt und in eine Datenbank übertragen. Aus den digital verfügbaren Informationen zu den jeweiligen Potentialen, lassen sich Bauteilkataloge erstellen, die als Grundlage für den weiteren ReDesign–Prozess dienen.
Neben den ökologischen und ökonomischen Projektzielen liegt großes Potential in der sozialen Nachhaltigkeit. Um mehr Bewusstsein und mehr Wertschätzung für das Vorhandene zu schärfen, ist unter anderem BASEhabitat (Kunstuni Linz) am Konsortium beteiligt, und ermöglicht künftigen Architekt_innen die so wichtige Auseinandersetzung mit einem konkreten Gebäude über Bestandserfassung und Rückbau bis zu Entwurf und Umbau. Durch die praktische Arbeit auf der LenA Baustelle gewinnen Architekturstudierende handwerkliche Erfahrung und direkten Einblick in den Umgang mit regenerativen und zirkulären Baustoffen. Das Camillo Sitte Bautechnikum (HTL Wien) wurde damit betraut, wieder eingesetzte Materialien zu prüfen und testen, um geltende baukonforme Richtlinien einzuhalten.
Alle Prozesse und Erkenntnisse sind in einem Kompendium, den „Circular Architecture Design Rules" für die Abhaltung weiterer Workshops und Lehrveranstaltungen von ReUse-Projektvorhaben anwendbar zusammengefasst.
Publikationen
LenA circular houses - Demonstration des circular architecture design process für zirkuläres und reuse Bauen anhand des Leuchtturmprojekts LenA
Das Projekt LENA zeigt in der Praxis, wie ressourceneffizienter Materialeinsatz in der Architektur gelingt. LENA dokumentiert zirkuläre Gestaltungsmethoden und zeigt auf, warum die Planung bei der End-of-Life-Phase beginnt. Durch den Einsatz digitaler Methoden und Technologien bei der Rückgewinnung von vorhandenen sowie Fertigung von neuen Bauelementen unter dem Fokus der Weiterverwendung wird ermittelt, welche Einsparungen an grauer Energie und CO₂ bei der Herstellung von ReUse Produkten und lösbaren/rückbaubaren/austauschbaren Verbindungen für unsere gebauten Strukturen, Stadt- und Siedlungsräume erzielbar sind.
Schriftenreihe
9/2026
Christoph Hackspiel, Andrea Kessler, Peter Kneidinger, Ulrike Schwantner, Malgorzata / Goga Sommer-Nawara
Herausgeber: BMIMI
Deutsch, 68 Seiten
Downloads zur Publikation
Projektbeteiligte
Projektleitung
materialnomaden gmbh & circular house gmbh, Andrea Kessler
Projekt- bzw. Kooperationspartner:innen
- Camillo Sitte Versuchsanstalt für Bautechnik Bautechnikum und
- Versuchsanstalt Wien III
- circular house gmbh
- EXIKON arc&dev
- Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz - RUD/die architektur/BASEhabitat
Kontaktadresse
materialnomaden gmbh
Belvederegasse 14-16
Tel.: +43 (664) 5677474
E-Mail: lena@circularhouse.eu
Web: http://circularhouse.eu