K3 - Klimaneutrales Klinikum Klagenfurt

Im Zuge der Klimaneutralitätsambitionen der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee liegt der Fokus auf der Entwicklung klimaneutraler Quartiere unterschiedlichster Funktionen und Nutzungen im Stadtgebiet. In Zusammenarbeit mit der Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft – KABEG wurde ein Klimaneutralitäts­fahrplan für das Quartier des Klinikum-Standorts Klagenfurt mit wissenschaftlicher Unterstützung der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH entwickelt.

Kurzbeschreibung

Die Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee nimmt als einzige österreichische Stadt an der EU Cities Mission "100 climate neutral and smart cities by 2030" teil. Der Fahrplan zur Erreichung der angestrebten (bilanziellen) Klimaneutralität ist im sogenannten "Climate City Contract", welcher im Herbst 2023 von der EU-Kommission akzeptiert wurde, beschrieben und auf lokaler Ebene mit der Version 7.2 der Smart City Klimastrategie politisch beschlossen.

Das ambitionierte Klimaziel kann nur durch enge Zusammenarbeit mit internen und externen Stakeholdern erreicht werden. Das Klinikum Klagenfurt, ist hierbei mit einer Gesamtfläche von ca. 442.000 m2, rund 4.000 Mitarbeiter:innen und über 1.000 Betten ein energie- und ressourcenintensiver Betrieb mit entsprechenden Auswirkungen auch über die Betriebsgrenzen hinaus. Auch wenn am Klinikum Klagenfurt bereits seit vielen Jahren erfolgreich diverse Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden und seit über 10 Jahren eine EMAS-Zertifizierung vorliegt, fehlte es bislang an einem umfassenden, systematischen Ansatz zur THG-Bilanzierung und einer daraus folgenden Evaluierung der Auswirkungen auf lokale und nationale Klimaziele.

Im Sondierungsprojekt K3 (Klimaneutrales Klinikum Klagenfurt) erarbeiteten die Projektpartner
IPAK GmbH, JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH und Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft-KABEG eine vollständige Treibhausgasbilanz und eine daraus folgende Hotspotanalyse. Diese umfassen die direkten THG-Emissionen (Scope 1), die indirekten THG-Emissionen durch die Erzeugung eingesetzter Energie (Scope 2) sowie die indirekten THG-Emissionen von vor- und nachgelagerten Prozessen (Scope 3) in den Unterkategorien Scope 3.1 (Eingekaufte Güter), 3.2 (Kapitalgüter), 3.3 (Energiebezogene Aktivitäten), 3.4 (Vorgelagerter Transport), 3.5 (Abfälle), 3.6 (Geschäftsreisen), 3.7 (Mobilität von Pendler:innen) und einer zusätzlich eingeführten Kategorie 3.16 (Mobilität von Patient:innen und Besucher:innen).

Basierend auf den Ergebnissen der Hotspotanalyse wurde der aktuelle Status bewertet, wobei in der Umsetzung befindliche Maßnahmen bzw. geplante Maßnahmen berücksichtigt und mit Empfehlungen wie beispielsweise des Leitfadens „Strategie Klimaneutrales Gesundheitswesen" des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) verglichen wurden. Der Impact der THG-Emissionen in der vorgelagerten Wertschöpfungskette (Scope 3) beträgt rund 90% (marktbasiert) der Gesamtemissionen.

Indirekte THG-Emissionen durch die Erzeugung eingesetzter Energie (Scope 2) betragen etwa 9,0% der Gesamtemissionen, wobei der Bezug von Industriedampf hier den wesentlichen Einfluss auch auf lokaler Ebene generierte. Im Rahmen einer eigens beauftragten Machbarkeitsstudie zur THG-Emissionsreduktion im Dampfbereich wurde geprüft, inwieweit Alternativen zur erdgasbasierten Dampferzeugung technisch und wirtschaftlich umsetzbar sind. Die Analyse zeigte, dass entsprechende Optionen unter den aktuellen Rahmenbedingungen derzeit nur eingeschränkt wirtschaftlich tragfähig sind.

Auf Basis der THG-Emissionsbilanz im Referenzjahr 2023 entwickelte JOANNEUM RESEARCH prospektive Transformationspfade und analysierte und bewertete Maßnahmenbündel. Transformationspfade unterstützen das Management bei langfristigen, strategischen Entscheidungen bzw. Zielen mit einer nachvollziehbaren Datenbasis und zeigen klar den Einfluss unterschiedlicher Handlungsoptionen zur THG-Reduktion auf. Im Rahmen der Sondierung erstellte JOANNEUM RESEARCH drei Transformations-Szenarien: (i) ein „Referenzszenario" ohne KABEG-interne Maßnah-men, (ii) ein „Maßnahmenszenario" mit bereits geplanten Maßnahmen der KABEG und (iii) ein „Klimaneutralitätsszenario" mit kalkulierbaren, langfristig wirksamen Handlungsstrategien. Das ambitionierte Klimaneutralitätsszenario berücksichtigt optimistische externe politische Rahmen-bedingungen sowie alle vorgeschlagenen internen Maßnahmen und prognostiziert eine THG-Emissionsreduktion von -48% bis -68% im Jahr 2050 gegenüber dem Referenzjahr 2023. Die durch unterschiedliche sozio-ökonomische Entwicklungspfade induzierte Schwankungsbreite der Ergebnisse ist im Klimaneutralitätsszenario geringer gegenüber den Referenzszenarien, was auf robuste Maßnahmen schließen lässt. Die Analyse zeigt jedoch eindeutig eine hohe Abhängigkeit des Gesundheitsbereichs von internationalen, nationalen und regionalen Entwicklungen sowie von der Umsetzungsgeschwindigkeit effektiver Klimaschutzmaßnahmen auf politischer Ebene.

Aufgrund des bereits fortschreitenden Klimawandels ist es immer wichtiger, bei sämtlichen Klimaschutzmaßnahmen auch mögliche Klimawandelanpassungsmaßnahmen zu bedenken. Ein besonderes Augenmerk liegt hier beispielsweise auf der Überhitzung städtischer Gebiete (Urban Heat Island) durch Versiegelung. Durch intelligente Bauweisen und Begrünung kann dem Urban Heat Island Effekt jedoch relativ gut entgegengewirkt werden. Zur systematischen Bewertung klimawandelbedingter Hitzeeffekte und zur Ableitung geeigneter Anpassungsmaßnahmen wurde am Klinikum Klagenfurt eine Mikroklimaanalyse durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass es an Sommertagen in einzelnen Bereichen des Klinikareals zu erhöhten Wärmebelastungen kommt, eine großflächige Überhitzung derzeit jedoch noch nicht vorliegt. Vor dem Hintergrund zunehmender Hitzetage infolge des Klimawandels besteht das strategische Ziel darin, klimatisch begünstigte Bereiche langfristig zu sichern und durch klimaresiliente Bauweise, gezielte Begrünungsmaßnahmen, Entsiegelung sowie die Schaffung zusätzlicher Grün- und Freiflächen die thermische Aufenthaltsqualität und Widerstandsfähigkeit des Standorts nachhaltig zu stärken.

In einem großen Betrieb wie dem Klinikum Klagenfurt sind Verantwortlichkeiten für Externe meist nicht sofort erkennbar, und viele der im Projekt behandelten Themen involvieren eine Großzahl an internen und externen Stakeholdern. Aus diesem Grund wurde gleich zu Projektbeginn eine umfangreiche Stakeholderanalyse durchgeführt und Stakeholder entsprechend kategorisiert. Eine Stakeholdermap wurde mit dem Fortschreiten des Projektes kontinuierlich aktualisiert. Dank der Maßnahmenentwicklung in Kombination mit der Stakeholderanalyse konnten schon während der Sondierung erste Umsetzungsmaßnahmen angestoßen werden. Während manche Umsetzungsmaßnahmen State of the Art sind (Errichtung E-Car-Sharing-Standort, Bike-Sharing-Standort etc.), zeigte die Sondierung durchaus auch einige Themenbereiche auf, in welchen es gilt, innovative Lösungsansätze zu entwickeln und zu testen. Die Möglichkeiten eines FTI-Förderprojektes werden aktuell vom Projektteam evaluiert.

Publikationen

K3 - Klimaneutrales Klinikum Klagenfurt: Sondierung

Im Zuge der Klimaneutralitätsambitionen der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee liegt der Fokus auf der Entwicklung klimaneutraler Quartiere unterschiedlichster Funktionen und Nutzungen im Stadtgebiet. In Zusammenarbeit mit der Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft – KABEG wurde ein Klimaneutralitäts­fahrplan für das Quartier des Klinikum-Standorts Klagenfurt mit wissenschaftlicher Unterstützung der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH entwickelt. Schriftenreihe 37/2026
Stefan Guggenberger, Georg Eichler, Martin Beermann, Sebastian Bock, Ingrid Kaltenegger, Christian Joachim Gruber, Eva Trausinger, Petra Aichholzer
Herausgeber: BMIMI
Deutsch, 52 Seiten

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleitung

International Project Management Agency on Lake Woerthersee GmbH (IPAK GmbH)

Projekt- bzw. Kooperationspartner:innen

  • Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft - KABEG
  • JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH

Kontaktadresse

Stefan Guggenberger, BSc.
Neuer Platz 1
A-9010 Klagenfurt am Wörthersee
Tel.: +43 (463) 537 4599
E-Mail: umwelt@klagenfurt.at
Web: www.klagenfurt.at
Web: ipakklagenfurt.at