ECO-Transformation - Energietransformation durch Community-Building, Suffizienz und serielle Lösungen am Beispiel des "Cottage Viertels"

Vernetzung technischer und umweltpsychologischer Expertisen zur Entwicklung eines Transformationsprozesses hin zum klimaneutralen Quartier auf Basis der Methoden Community Building, Suffizienzpotenziale sowie seriell anwendbare Umsetzungslösungen anhand des Beispiels Cottage Viertel. Vorbereitung der seriellen Umsetzung der entwickelten Lösungen und des Transformationsprozesses.

Kurzbeschreibung

Motivation und Ausgangslage

Historische Stadtquartiere stehen heute vor einem tiefgreifenden Zielkonflikt: Einerseits soll der Gebäudebestand im Sinne der Klimaziele auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung umgestellt werden, andererseits sind übliche Generalsanierungen in denkmalgeschützten Bauwerken mit hohen Investitions- und Verfahrensaufwänden verbunden. Das Wiener Cottage-Viertel mit seinen heterogenen Eigentümer:innenstrukturen und der individuell gewachsenen Bausubstanz ist hierfür ein Paradebeispiel. Fehlende Ausbaupläne für das Wiener Fernwärmenetz in dem Viertel erschweren den Umstieg auf nachhaltige Wärmequellen. Reine Verhaltensänderungen ohne technologische Maßnahmen erzielen oft nur begrenzte Effekte. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt „Eco-Transformation" das Ziel, einen interdisziplinären Ansatz zu entwickeln, der technische Innovation, soziales Verhalten und schlanke Prozessgestaltung zu einem übertragbaren Transformationspfad zusammenführt. Dabei geht es vordergründig um die Aktivierung von Suffizienz- und Flächenpotenzialen und um die Schaffung einer serientauglichen, quartiersbezogenen Methodik.

Projektinhalte und Zielsetzungen

Das Projekt gliedert sich in Arbeitspakete, die nahtlos ineinandergreifen. Zunächst wurde eine detaillierte Gebäudeanalyse entlang zweier Achsen durchgeführt: zum einen die Bewertung der Suffizienzpotenziale mittels Simulationen verschiedener Sanierungsvarianten und Systemtemperaturen; zum anderen die Ermittlung von Flächenpotenzialen im heterogenen Bestand der Häuser Haizingergasse 26, 28 und 30. Parallel dazu lieferte eine psychologische Untersuchung mithilfe leitfadengestützter Interviews und einer strukturierten Literaturanalyse Erkenntnisse zu den Triggern, Barrieren und Motivationen der Bewohner:innen im Quartier in Bezug auf Sanierungsprojekte. Ein Arbeitspaket widmete sich der Potenzialanalyse auf Quartiersebene, bei der Lean-Prinzipien auf die serielle Sanierung übertragen wurden: Standardisierung von Leistungsmodulen, Taktung der Abläufe und Frontloading in kooperativen Planungsformaten. Im nächsten Schritt wurden daraus ein fünfphasiger Transformationsprozess und ein modularer Sanierungskasten („SMLXL"-Systematik) abgeleitet, der von minimalinvasiven Einzelmaßnahmen bis zur umfassenden Wärmepumpen- und Hüllensanierung reicht. Essenziell war, alle Maßnahmen entlang eines Entscheidungsbaums so zu strukturieren, dass sie je nach baulicher  Ausgangslage und Budget kombiniert werden können.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Die thermischen Simulationen zeigten, dass moderate Sanierungsschritte bei allen drei Demo-Häusern eine ausreichend effiziente Wärmeversorgung mit max. 55 °C Vorlauftemperatur mittels Wärmepumpen ermöglichen. Die Machbarkeitsstudien der drei untersuchten Gebäude verdeutlichten zudem, dass Fußbodenheizungen den thermischen Komfort erhöhen und das Free-Cooling-Potenzial steigern, hier jedoch mit höheren Investitionskosten zu rechnen ist. Weiters konnte gezeigt werden, dass ein Anergienetz durch die weitgehend homogenen Bedarfsprofile seine Vorteile nicht ausspielen kann, da während des Betriebs keine Gleichzeitigkeiten zwischen Wärmeeinspeisung und Entzug bestehen. Die Flächenpotenzialanalyse hob den Stellenwert suffizienzorientierter  Nutzungsanpassungen hervor, die in der Praxis allerdings nicht immer konsequent umgesetzt werden können. Bei baulichen Sanierungen stellen vor allem ein fehlender Informationstransfer und Unsicherheiten hinsichtlich aufkommender Kosten die Haupthindernisse für weitere Sanierungsschritte dar.

Die psychologische Untersuchung nach dem Stufenmodell selbstregulierter Verhaltensänderung (SSBC) identifizierte Information, Selbstwirksamkeit und soziale Normen als entscheidende Einflussgrößen auf die Sanierungsbereitschaft. Aufbauend darauf wurde der „Sanierungspfad" als Kommunikations- und Steuerungsinstrument entwickelt, der Nachbarschaften zu „Sanierungsnachbarschaften" formiert und den Austausch zu Erfahrungen, Kosten und Abläufen ermöglicht. Parallel lieferte die Lean-Analyse ein serientaugliches Prozessgerüst: Ein  Kanbangestütztes JIT-Logistiksystem mit Mikrolagern, ein Last-Planner®-basiertes Taktboard und Gemba-Walks schaffen eine hohe Planbarkeit und Effizienz. Die modellhafte Anwendung am Objekt Haizingergasse 30 zeigte, dass durch konsequente Frontloading-Workshops und modulare Taktung Bauzeit und Kosten reduziert werden können, während die Einbindung der Bewohner:innen deren Akzeptanz deutlich erhöht.

Ausblick

Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für erste Demonstrationsprojekte, idealerweise in mindestens fünf bis zehn vergleichbaren Objekten, um die Übertragbarkeit des Prozesses im Quartiermaßstab zu validieren. Begleitendes Monitoring von Energieverbrauch, Komfortparametern und Nutzer:innenakzeptanz soll langfristig Aufschluss über mögliche Optimierungen der Regelstrategien und die Weiterentwicklung geothermischer oder passiver Kühlsysteme geben. Zugleich sollen digitale Sanierungsnavigatoren und Schulungsmodule für Planer:innen, Handwerker:innen und Bewohner:innen etabliert werden, damit das Lean- bzw. serielle Vorgehen in der Bauwirtschaft skaliert werden kann.

Publikationen

Energietransformation durch Community-Building, Suffizienz und serielle Lösungen am Beispiel des „Cottage Viertels“ (ECO-Transformation)

Vernetzung technischer und umweltpsychologischer Expertisen zur Entwicklung eines Transformationsprozesses hin zum klimaneutralen Quartier auf Basis der Methoden Community Building, Suffizienzpotenziale sowie seriell anwendbare Umsetzungslösungen anhand des Beispiels Cottage Viertel. Vorbereitung der seriellen Umsetzung der entwickelten Lösungen und des Transformationsprozesses. Schriftenreihe 35/2026
E. Doppelbauer, C. Ehmayer-Rosinak, M. Griesbeck, A. Wala, M. Ziegler, P. Elian, M. Pfaller, P. Nageler, M. Puller, S. Schrenk, J. Schöberl, F. Burian
Herausgeber: BMIMI
Deutsch, 94 Seiten

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Projektbeteiligte

Projektleitung

indigo development holding gmbh

Projekt- bzw. Kooperationspartner:innen

  • LeanWorks GmbH
  • Ehmayer-Rosinak Cornelia Friederike Dr.
  • Schöberl & Pöll GmbH
  • sima consulting GmbH

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